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Motivation von Anita und Rita

Anita und Rita war es sehr bewusst, dass sie zu den reichsten Menschen dieser Welt gehören. Sie wuchsen in einem Umfeld auf, das ihnen Liebe, Annahme und Geborgenheit gab. Ihre Kindheit und Jugend war behütet und schenkte ihnen viel Lebensglück. Sie durften zur Schule gehen, eine Lehre abschließen und die schönen Seiten des Lebens in voller Fülle genießen. Dieses Bewusstsein prägte und entwickelte sich durch humanitäre Einsätze in Kinderdörfern von Malawi und Kasachstan. Sie sahen und begegneten Menschen auf diesem Planeten, die sich ein Leben, wie sie es hatten, nicht mal hätten träumen  können. Diese Eindrücke öffneten ihnen die Augen und machten sie sehr dankbar für das, was sie hatten und wie reich sie doch beschenkt waren.

Sie erlebten in diesen Zeiten, wie schon eine kleine Umarmung und Aufmerksamkeit diesen armen Kindern eine riesengroße Freude machte. Sie merkten, dass sie durch die Zeit, in der sie dort waren, mit wenigen Mitteln viel bewirken konnten. Die medizinische Ausbildung als Kinderkrankenschwester machte es mögliche, vielen Kindern in Malawi ihr Leben in Armut und großer Not angenehmer zu machen. Kinder kamen sogar zu den Behandlungszeiten und simulierten eine Krankheit, nur um die Aufmerksamkeit und Liebe zu empfangen, die die Mädels ausstrahlten. Meist erkannten sie es schnell und „behandelten“ die Kleinen mit Brausetabletten oder Traubenzucker. Diese Aktionen der Kleinen zauberte immer ein kleines Lächeln in die Gesichter unserer Mädels.

Solche Erlebnisse und Erfahrungen standen für sie in keinem Verhältnis zu dem Aufwand, in dieses Land zu reisen. Sie finanzierten diese Einsätze selber und verzichteten gern auf Luxus und Urlaub, um wieder dort hinfliegen zu können und den Kindern dort zu helfen. Selbst gute Arbeitsangebote hier in Deutschland konnten sie nicht davon abhalten. Diese Arbeit unter den ärmsten Menschen erfüllte sie sehr. Sie sagten immer, dass sie es nicht als Verzicht sahen. Sie empfanden es als Gewinn und tiefe Bereicherung. Das dankbare Lächeln der Kinder konnte mit keinem Geld oder Luxus aufgewogen werden.

Freunde und Menschen erlebte Anita und Rita als sehr hilfsbereit, mit Zeit für den Nächsten und sehr verantwortungsbewusst.

Es macht doch einen Unterschied

Die Frage, die immer wieder auftaucht ist: Was könnten diese jungen Menschen dort bewirken? Sie kannten die Sprache nicht und begegneten einer neuen und fremden Kultur. Sie waren in dem Land nur 10 Tage. Doch für Anita und Rita ging es nie um die Masse. Der einzelne Mensch war ihnen wichtig. Bei einer Geburt mitzuhelfen und zu sehen, wie neues Leben entsteht, war ihnen unendlich wertvoll. Sie machten sich auf den Weg, um Menschen, die es nie so gut hätten, wie sie es in Deutschland hatten, ein Stück mehr Lebensglück zu schenken. Sie waren nicht die Ersten und stehen nicht alleine mit dieser Einstellung da. Vor ihnen haben Menschen in diesem Krankenhaus im Jemen schon mitgewirkt.

Seit dem Bestehen der Klinik 1979 wurden über 70.000 Patienten behandelt, mehr als 13.000 Impfungen und 9.000 Zahnbehandlungen vorgenommen. Die Mitarbeiter halfen bei 4.000 Geburten und führten 600 Operationen durch.

Diese Zahlen könnten nie geschrieben werden, wenn es nicht Menschen mit der gleichen Ausrichtung und dem gleichen Engagement gäbe wie Anita und Rita. Für diese Menschen machte es einen Unterschied dort in diesem Krankenhaus Hilfe und Nächstenliebe zu erfahren.

Stimmen aus dem Jemen

Die Anteilnahme und die Stimmen aus dem Jemen haben uns als Familie sehr geholfen. Sie zeigten, dass die Arbeit in dem Krankenhaus dort von den Menschen angesehen und geschätzt wurde. Anita und Rita erzählten uns durch die Telefonate und E-Mails, dass die Menschen sehr freundlich und gastfrei sind. Sie fühlten sich in dem Land willkommen und genossen die Zeit sehr. Es wurde auch deutlich, dass die Bevölkerung nicht hinter dieser Tat stand. Es war die Tat einzelner Menschen. Wir empfinden keinen Hass und Groll gegen die Menschen aus Jemen. Es sind einzelne Menschen, die dieser Welt Leid zufügen.

Auch der Gouverneur der Provinz Saada, Hassan Mana’a, bedauert die Entscheidung zur Schließung der Klinik. Er sei darüber „sehr unglücklich“, erfuhr Worldwide Services. „Die Menschen dort warten weiter auf unsere Hilfe, doch uns sind nun die Hände gebunden“, bedauert Lieverse. Auch aus der Sicht des Botschafters von Jemen waren Anita und Rita Helfer, deren Tod er zutiefst bedauert.