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Im Jahr 1972 zog auf Wunsch der jemenitischen Regierung ein junges Arztehepaar von Worldwide Services nach Saada. Dort stand ein Klinikgebäude mit minimaler Ausrüstung. Niemand arbeitete dort.

Ständig wurde einheimisches Personal ausgebildet. Der weitaus größte Anteil der Mitarbeiter entstand ein medizinisches Angebot für den gesamten Regierungsbezirk Saada. Sowohl hinsichtlich der Qualität musst das Republican Hospital Saada den Vergleich mit anderen Krankenhäusern des Landes nicht scheuen, obwohl der Anteil einheimischer Arbeitskräfte wesentlich höher ist und die finanziellen Mittel wesentlich geringer als in den meisten anderen guten Krankenhäusern.

Ein Beispiel ist die zahnärztliche Abteilung: Viele Jahre wurden schmerzhafte Zähne einfach gezogen. Nachdem im Jahr 2000 ein Zahnarzt von Worldwide Services die Abteilung übernahm, beschäftigte das jemenitische Gesundheitsamt sechs qualifizierte Facharbeiter im zahnmedizinischen Bereich in dieser Abteilung. Ihre Ergebnisse waren von unvergleichlicher Qualität im Regierungsbezirk.

Bis 1994 war das Krankenhaus eine reine Männerdomäne im Hinblick auf das Personal. Worldwide Services beschäftige Frauen als Mitarbeiter für die hilfsbedürftigen Frauen und bot 1994 einen Kurs für Hebammen in Zusammenarbeit mit dem jemenitischen Gesundheitsministerium an unter der Bedingung, dass diese Frauen dann auch im Krankenhaus arbeiteten. Zuvor übernahmen jemenitische Krankenpfleger gelegentlich die Arbeit im Kreißsaal, wenn keine Hebamme von Wordwide Services dafür frei war. Die Familien dieser Frauen erlaubten, dass sie zusammen mit einer Mitarbeiterin von Wordwide Services im Dienst waren. Mittlerweile sind etwa ein Viertel aller Angestellten im Krankenhaus Frauen. So übernehmen die jemenitischen Hebammen auch selbstständig Dienste. Der gemeinsame Dienst von diesen Hebammen und wenigen Hebammen von Worldwide Services war bei den Frauen so beliebt und ihr Ruf so gut, dass jährlich die Anzahl der Geburten stieg. Dabei lag die Komplikationsrate weit unter dem Landesdurchschnitt. Diese Entwicklung wäre nicht möglich gewesen ohne die gute Zusammenarbeit zwischen Worldwide Services und den örtlichen Behörden sowie der Unterstützung aus der Bevölkerung.

Über die Jahre lernten hunderte von Leuten durch Worldwide Services den Jemen kennen und lieben. Sie sahen die Herausforderungen, mit denen die Bewohner dieses Landes konfrontiert sind und lernten, sie zu schätzen und zu respektieren. Viele sagen bis heute, dass die Zeit in Saada die schönste ihres Lebens war. So trug die Arbeit von Worldwide Services zum kulturübergreifenden Verständnis bei.

Jeder Besucher des Jemen wird eine gewisse Neugier dieses Volkes bestätigen können und das große Interesse an Religion. Religiöse Themen gehören – anders als in Deutschland – zu den Alltagsthemen. Wie fast alle Ausländer wurden auch Mitarbeiter von Worldwide Services immer wieder zu ihrer Religion befragt. Die jemenitische Verfassung verbietet solche Gespräche nicht. Sie gewährt Religionsfreiheit und dazu gehört auch das Recht, sich über Religionen zu informieren, was selbst in jemenitischen Schulbüchern geschieht.

Leider wurde im Sommer 2009 durch manipulative, verlogene Darstellung in der deutschen Presse ein vorschnelles Urteil über die Entführung von und den Mord an Mitarbeitern von Worldwide Services in der Nähe von Saada gefällt. Diese Art von Journalismus beachtet zum einen nicht den Paragraph eins des deutschen Grundgesetzes unter dem Deckmantel einer falsch verstandenen Pressefreiheit. Er schützt die Würde eines jeden Menschen, auch die Würde eines jeden Menschen, auch die Würde dieser Opfer. Zum anderen wurden – was absolut bedauernswert ist – die Leute von Saada in ein schlechtes Licht von Intoleranz und Brutalität gerückt. Dabei teilen sie – wie über die Jahre seit 1972 – Freud und Leid, den Schock, den Schmerz und das Nicht-Fassen-Können mit den Betroffenen.

Quelle: Jemen-Report der Deutsch Jemenitischen Gesellschaft (DJG) Heft 1/2010